Auf der Suche nach einer Alternative zu Retinol bin ich vor ein paar Jahren das erste Mal über Bakuchiol gestolpert. Der Grund für meine Suche war nachvollziehbar: Retinol kann eben reizen, Brennen, Rötungen, Schuppung, das volle Programm, und ich wollte wissen, ob es einen Wirkstoff gibt, der Ähnliches leistet, ohne dieses Risiko im Gepäck zu haben.
Der Name Bakuchiol klang für mich zunächst nach einem dieser Trend-Wirkstoffe, die zwei Saisonen durch die Beauty-Welt gereicht werden und dann wieder verschwinden, so wie Schneckenschleim oder Beef Tallow (PSST: Ich habe noch einen Beef Tallow Balm für die kalten Jahreszeit gehortet). Geblieben ist er trotzdem. Und je öfter ich in Studien und INCI-Listen nachgeschaut habe, desto klarer wurde: Das hier ist kein Zufallstreffer.
Gewonnen wird Bakuchiol übrigens aus einer Pflanze mit einem eigenwilligen Namen: Harzklee. Die Blüten sehen zum Verwechseln ähnlich aus wie die von gewöhnlichem Rot- oder Weißklee, lilafarben, unscheinbar, fast ein bisschen Unkraut. Botanisch hat Harzklee mit echtem Klee aber nichts zu tun, nur die Optik täuscht.
Wenn deine Haut auf Retinol mit Brennen, Schuppung oder Rötungen reagiert, oder du erst gar nicht damit anfangen willst, taucht der Name Bakuchiol früher oder später in jeder Empfehlungsliste auf. Zeit, sich den Wirkstoff einmal in Ruhe anzuschauen: Was macht er in deiner Haut, und wo hört die pflanzliche Alternative auf, eine echte Alternative zu sein?
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Was ist Bakuchiol eigentlich?
Bakuchiol wird aus den Samen und Blättern von Harzklee (Psoralea corylifolia) gewonnen, einer Pflanze, die in Indien, China und Sri Lanka wächst. In der ayurvedischen und traditionellen chinesischen Medizin wird sie schon seit Jahrhunderten verwendet, allerdings nicht als Hautpflege-Wirkstoff im heutigen Sinn, sondern in ganz anderen Anwendungsbereichen. Der Name Bakuchiol selbst stammt vom Sanskrit-Wort für die Pflanze, Bakuchi oder Babchi.
Chemisch betrachtet ist Bakuchiol ein Phytosterol, ein pflanzlicher Naturstoff. Mit Vitamin A, aus dem Retinol besteht, hat es strukturell nichts zu tun. Der Vergleich mit Retinol kommt nicht von der Molekülstruktur, sondern davon, dass Bakuchiol in der Haut ähnliche Signalwege anspricht wie Retinsäure, ohne über den gleichen mehrstufigen Umwandlungsprozess zu laufen, den Retinol erst durchlaufen muss, bevor es überhaupt wirkt.
Die Pflanze, aus der Bakuchiol stammt, wird in manchen Regionen als Unkraut behandelt. Was am Wegesrand wächst, landet heute in Seren, die deutlich über 30 Euro kosten.
Kurzer Rückblick: Wie Bakuchiol in die Kosmetik kam
1966 isolierten die Chemiker Mehta, Nayak und Dev das Molekül erstmals aus Harzklee-Samen und benannten es nach dem Sanskrit-Wort Bakuchi. Für die Kosmetikindustrie blieb der Stoff danach jahrzehntelang uninteressant.
Erst 2007 kam Bakuchiol unter dem Handelsnamen Sytenol® A (unter diesem Namen ist Bakuchiol bei Dragonspice auch als Substanz für DIY-Produkte erhältlich [unaufgeforderte Werbung, jedoch ohne Affiliate]) erstmals in ein Kosmetikprodukt, entwickelt vom US-Unternehmen Sytheon. Richtig bekannt wurde der Wirkstoff aber erst 2019, mit genau der Studie, die weiter unten noch einmal aufgegriffen wird: dem direkten Vergleich mit Retinol im British Journal of Dermatology.
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Wie wirkt Bakuchiol auf empfindliche Haut?
Bakuchiol bindet an dieselben Rezeptoren in der Haut, an denen auch Retinsäure andockt, allerdings über einen anderen Mechanismus. Das Ergebnis ist ähnlich: Die Zellerneuerung wird angeregt, die Kollagenproduktion unterstützt, feine Linien und ungleichmäßige Pigmentierung werden mit der Zeit sichtbar reduziert.
Der Unterschied zu Retinol liegt vor allem in zwei Punkten:
Bakuchiol macht nicht lichtempfindlich.Retinol baut sich unter UV-Strahlung ab und erhöht die Empfindlichkeit deiner Haut gegenüber Sonne, deshalb gehört es abends aufgetragen. Bakuchiol hat diese Einschränkung nicht. Du kannst es morgens genauso verwenden wie abends, solange dein Sonnenschutz trotzdem sitzt, denn Hautpflege mit aktiven Wirkstoffen braucht grundsätzlich ausreichend UV-Schutz.
Bakuchiol hat zusätzlich antioxidative Eigenschaften. Es fängt freie Radikale ab und wirkt damit nicht nur auf die Zellerneuerung, sondern auch gegen oxidativen Stress in der Haut, ein Effekt, den reines Retinol in dieser Form nicht mitbringt.
Was Bakuchiol nicht ist: ein Wundermittel, das ohne jede Eingewöhnung funktioniert. Auch hier gilt, dass jede Haut unterschiedlich reagiert, gerade wenn du zu Reiz-Overload neigst oder deine Hautbarriere gerade ohnehin angeschlagen ist.
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Bakuchiol richtig anwenden
Konzentration Die meisten fertigen Formulierungen bewegen sich zwischen 0,5 und 1 Prozent Bakuchiol. Das ist der Bereich, in dem die Wirksamkeit in Studien am besten belegt ist. Höher dosierte Produkte findest du seltener, weil ab einem bestimmten Punkt kein zusätzlicher Nutzen mehr nachweisbar ist, dafür aber ein höheres Reizpotenzial.
Tageszeit Morgens oder abends, ganz wie es in deine Routine passt. Wer ohnehin schon ein Vitamin-C-Serum am Morgen nutzt, greift für Bakuchiol eher zum Abend, um die Routine nicht zu überladen.
Einschleichen Bakuchiol gilt allgemein als hautfreundlicher als Retinol, trotzdem ist ein sanfter Einstieg sinnvoll, hauptsächlich bei empfindlicher Haut. Starte mit 2 bis 3 Anwendungen pro Woche und steigere nach zwei bis drei Wochen auf tägliche Nutzung, wenn deine Haut das gut verträgt.
Kombination mit anderen Wirkstoffen Bakuchiol lässt sich gut mit Niacinamid, Hyaluronsäure oder Ceramiden kombinieren. Bei Säuren wie Glykol- oder Salicylsäure lohnt sich etwas mehr Vorsicht, nicht weil es zu einer chemischen Reaktion kommt, sondern weil sich Reize addieren können, wenn zu viele aktive Wirkstoffe gleichzeitig auf deine Haut treffen.
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Bakuchiol zum Selbermischen: mein Badezimmer-Hack
Wer nicht gleich ein fertiges Serum kaufen will, kann Bakuchiol (z. B. von Dragonspice, Link siehe oben) auch pur einkaufen und selbst verdünnen. Genau das mache ich seit Jahren: reines Bakuchiol-Konzentrat, eingerührt in Squalan als Trägeröl.
Wichtig dabei: Pures Bakuchiol-Konzentrat wird nie unverdünnt aufgetragen. Die gängige Einsatzkonzentration liegt bei 0,5 bis 1 Prozent, alles darüber kann trotz der insgesamt guten Verträglichkeit zu Rötungen führen. Squalan eignet sich als Trägeröl besonders gut, weil es dem hauteigenen Sebum ähnelt, schnell einzieht und selbst kaum Reizpotenzial mitbringt, ideal also, um die Konzentration des Bakuchiols zusätzlich abzufedern.
So gehst du vor:
Halte dich an die Verdünnungsangabe auf der Verpackung deines Bakuchiol-Konzentrats (meist 0,5 bis 1 Prozent), nicht nach Gefühl dosieren
Direkt vor dem Auftragen frisch mischen, nicht auf Vorrat anrühren
Bei empfindlicher, reizoffener Haut lieber am unteren Ende der empfohlenen Konzentration starten
Wenn beides ölige, wasserfreie Substanzen sind, ist das Kontaminationsrisiko gering, eine Vorratsmischung würde sich trotzdem nicht anbieten, weil sich die Wirkstoffkonzentration beim Selbstmischen schlechter kontrollieren lässt als in einem fertigen Serum. Und wie bei jedem neuen Wirkstoff: Erst an einer kleinen Hautstelle testen.
Produktempfehlungfür Squalan
Als Trägeröl habe ich das Squalan* von Jungglück für mich entdeckt. Jungglück lässt das reine Squalan-Öl in Deutschland auch Oliven herstellen.
Produktempfehlung für ein fertiges Bakuchiol-Produkt
Speziell für empfindliche Haut entwickelt ist das COSRX The Blue Copper Peptide Bakuchiol Serum*. Neben Bakuchiol sind Kupfer-Peptide und Hyaluronsäure enthalten, die wirksam Feuchtigkeit spendet.
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Für wen eignet sich Bakuchiol besonders?
Bakuchiol ist besonders für drei Gruppen interessant:
Retinol-Einsteigerinnen Wenn du noch nie mit Retinsäure-Wirkstoffen gearbeitet hast und dich mit den strengen Einschleich-Regeln von Retinol nicht anfreunden willst, ist Bakuchiol der leichtere Zugang, um Wirkstoffe wie diese überhaupt kennenzulernen.
Haut mit Rosacea-Neigung oder in reizoffenen Phasen Studien zu Bakuchiol zeigen durchgehend weniger Trockenheit, Brennen und Schuppung im Vergleich zu Retinol. Das macht es zu einer Option für Haut, die auf klassische Retinoide empfindlich reagiert. Bei aktiven Schüben gilt trotzdem: Erst beruhigen, dann aktive Wirkstoffe einführen.
Schwangerschaft und Stillzeit Retinoide sind in der Schwangerschaft ein klares Tabu. Bakuchiol wird von einigen Rohstoffherstellern sogar explizit als für Schwangere und Stillende geeignet ausgewiesen, weil es kein Vitamin-A-Derivat ist. Groß angelegte unabhängige Sicherheitsstudien speziell für diese Phase gibt es trotzdem noch nicht in ausreichendem Umfang. Wer in dieser Zeit auf Nummer sicher gehen will, bespricht die Anwendung am besten kurz mit der behandelnden Ärztin oder Hebamme.
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Ein kurzer Blick zu Retinol
Wer jetzt wissen will, wie sich Bakuchiol im direkten Vergleich zu Retinol schlägt, findet dazu die passenden Studienzahlen und einen kompletten Einschleich-Plan in meinem Artikel zu Retinol bei empfindlicher Haut. Kurz zusammengefasst: In einer Doppelblindstudie erzielte Bakuchiol nach 12 Wochen ähnliche Ergebnisse wie Retinol bei deutlich weniger Hautreizung, das ist auch der Grund, warum es inzwischen als die mildere Alternative gilt.
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Häufige Fragen zu Bakuchiol
Wie schnell zeigt Bakuchiol Wirkung? Erste sichtbare Effekte auf Hautbild und Textur zeigen sich meist nach 8 bis 12 Wochen regelmäßiger Anwendung. Das ist ein ähnlicher Zeitraum wie bei Retinol, auch wenn Bakuchiol dabei weniger sichtbare Nebenwirkungen mitbringt.
Kann Bakuchiol Nebenwirkungen haben? Ja, keine Wirkung ohne Nebenwirkung ;-). Auch wenn sie seltener und milder ausfallen als bei Retinol. Manche berichten von leichten Rötungen oder einem Spannungsgefühl zu Beginn der Anwendung. Bei anhaltenden Beschwerden gilt wie bei jedem neuen Wirkstoff: pausieren und beobachten.
Ist Bakuchiol für jeden Hauttyp geeignet? Grundsätzlich ja, auch für Mischhaut und unreine Haut, da es zusätzlich eine leicht talgregulierende Wirkung zeigt. Bei sehr trockener Haut lohnt sich die Kombination mit einer reichhaltigeren Feuchtigkeitspflege.
Muss ich Bakuchiol kühl lagern? Nein, im Gegensatz zu manchen Retinol-Formulierungen ist Bakuchiol stabiler gegenüber Licht und Wärme. Ein dunkler, kühler Platz reicht, ein extra gekühlter Kosmetikschrank ist nicht nötig.
Kann ich Bakuchiol und Retinol gleichzeitig verwenden? Möglich, aber für empfindliche Haut selten sinnvoll. Wenn du beide Wirkstoffe kombinieren möchtest, reicht es, sie auf unterschiedliche Abende zu verteilen, statt sie gleichzeitig aufzutragen.
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Bakuchiol im Alltag: eine realistische Einordnung
Bakuchiol ist kein Hype, der morgen wieder verschwindet, aber es ist auch kein Ersatz für alles, was Retinol kann. Bei sehr ausgeprägter Hyperpigmentierung oder tieferen Fältchen zeigt medizinisches Retinol nach wie vor die stärkeren Effekte, das belegen die bisherigen Studien. Für empfindliche Haut, die auf sanftere Wege angewiesen ist, oder für alle, die einen Einstieg suchen, bevor sie sich an klassische Retinoide herantasten, ist Bakuchiol eine der am besten belegten Alternativen, die es derzeit gibt.
Gib dem Wirkstoff die gleiche Geduld, die du auch anderen aktiven Inhaltsstoffen zugestehst. Deine Haut braucht Zeit, um sich an Veränderungen zu gewöhnen, egal wie mild ein Wirkstoff im Vergleich ist.
P.S. Falls du beim nächsten INCI-Verzeichnis wieder ins Grübeln kommst, welche Namen sich hinter Reizstoffen verstecken: Mein INCI-Decoder mit 33 häufigen Reizstoffen und ihren Tarnnamen ist als 0-Euro-Download da.
Kurzer Hinweis zu diesem Artikel
Ich bin keine Hautärztin – diese Inhalte sind allgemeine Information und ersetzen keine individuelle dermatologische Beratung. Bei bekannten Allergien oder sehr empfindlicher Haut lohnt sich vorher der Blick zu einer Fachärztin oder einem Facharzt.
Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von mir redaktionell geprüft.
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